top of page

Schlechte Stimmung kostete Trainer den Kopf

Bieler Tagblatt vom 17. Dezember 2009


Der Zweitligist FC Büren hat sich, wie das BT herausfand, bereits am 5. Dezember von Trainer Marlon Hodgson getrennt. Der Aufstiegstrainer wurde per Telefon über den Entscheid informiert.


Beim FC Büren zeigte man sich überrascht, dass das BT bereits über die Entlassung von Marlon Hodgson informiert ist. Denn dass es in Büren einen Wechsel auf dem Trainerstuhl gibt, sollte erst nach der Generalversammlung am 7. Januar bekanntgegeben werden. Trotzdem nahm Präsident Rudolf Käser gestern Stellung.


«Wir haben schon vor drei Wochen in einer einberufenen Teamsitzung entschieden, dass wir die Zusammenarbeit mit Marlon Hodgson beenden», erklärte Käser. «Der Trainer hatte sowieso angedeutet, dass er den Verein Ende Jahr vielleicht verlassen würde.» Die Mannschaft habe sich klar gegen den Trainer ausgesprochen, begründet der Präsident die Entscheidung des Vereins. «Die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer hat einfach nicht mehr gestimmt.»


Verwirrspiel des Vereins

Das Vorgehen des Vereins, die Öffentlichkeit und die Sponsoren so lange im Dunkeln tappen zu lassen, wird von Reto Rüttimann, Spieler des FC Büren und Assistenztrainer der ersten Mannschaft, stark kritisiert. «Dieses Vorgehen ist amateurhaft», erklärte der ehemalige 1.-Liga-Spieler. Rüttimann, der seit Sommer 2009 das Trainergespann, bestehend aus Trainer Marlon Hodgson und Torhüter-Trainer Ricardo Molina, bei der Trainingsgestaltung unterstützte, wird nun nach der Trainerentlassung automatisch zum Kandidaten für die Nachfolge von Marlon Hodgson. Dies wird jedoch von Präsident Käser sogleich dementiert. «Hodgson musste seinen Posten als Trainer räumen, weil ihm der Rückhalt in der Mannschaft gefehlt hat. Diesen nötigen Rückhalt hätte auch Rüttimann nicht.» Dieser Rückhalt sei für einen Trainer nötig, um den nötigen Respekt von den Spielern zu erhalten.


Mit diesen Aussagen des Präsidenten konfrontiert, zeigte sich Rüttimann gestern völlig überrascht. «Ich könnte mir eigentlich gut vorstellen, dem Verein zu helfen. Eine Lösung als Spielertrainer, in Zusammenarbeit mit Ricardo Molina, wäre in meinen Augen gut möglich.» Dass ihm in der Mannschaft der Rückhalt fehle, habe er bisher nie bemerkt.


Fehlende Kommunikation

«Mir wurde am 5. Dezember per Telefon mitgeteilt, dass ich nicht mehr Trainer des FC Büren bin», erzählte gestern Marlon Hodgson. Er erwarte nun noch die schriftliche Freistellung, dann sei die Sache für ihn abgeschlossen. Von einer Gelegenheit, sich von der Mannschaft zu verabschieden, weiss Hodgson nichts. Dies bestätigt auch Käser: «Es ist nichts geplant.»


Der FC Büren trennt sich damit nach dreieinhalb Jahren auf unrühmliche Art und Weise vom erfolgreichsten Büren-Trainer aller Zeiten. Hodgson realisierte mit seiner Mannschaft in drei Jahren zwei Aufstiege und führte den FCB in die 2. Liga. «Ich muss nun erst diese Enttäuschung verdauen, das tut weh. Ich muss meine Stärken und Schwächen wieder finden», schilderte Hodgson seine nähere Zukunft. Er wird nicht sogleich wieder ins Trainergeschäft einsteigen.


Beim FC Büren wird es in naher Zukunft noch einiges zu kommunizieren geben. Denn nicht nur der Trainer wurde auf ungenügendem Weg über seine Entlassung informiert, auch einzelne Spieler tappen weiter im Dunkeln. «Die Mannschaft wurde beim Hallentraining informiert», liess Präsident Käser verlauten. Das Wintertraining in der Sporthalle ist beim FC Büren freiwillig, die gesamte Mannschaft ist nie vor Ort und wurde auch nie als solche über die Entscheide der Vereinsleitung informiert.


Zu den Spielern, die auf anderem Wege von der Trainerentlassung erfuhren, gehört auch Rüttimann. «Marlon Hodgson hatte Patrick von Felten, Trainer beim FC Dotzigen, von seiner Entlassung erzählt. Dieser wiederum erzählte Gian-Luca Privitelli (Spielertrainer beim FC Diessbach, die Red.) davon, welcher bei einem Jassabend Michael Blaser (Spieler der ersten Mannschaft des FC Büren, die Red.) davon erzählte. Dieser erzählte die Neuigkeit meinem Bruder Mark, der auch bei Büren spielt. Durch ihn habe ich davon erfahren», schildert Reto Rüttimann die kuriose Art und Weise, wie die Information zu ihm gelangte. «Da fühle ich mich als Spieler nicht mehr ernstgenommen.»


Rüttimann sagt, dass er sich, wenn die Kommunikation so weitergeht, Gedanken über seine Zukunft bei Büren machen müsse. Er könne auch anderswo Fussball spielen. Rüttimann geht sogar noch weiter: «Mit dem ganzen Vorgehen haben wir uns zur grössten Lachnummer im Seeland gemacht.»


Hodgson in Büren

Marlon Hodgson trainierte den FC Büren dreieinhalb Jahre lang. Dabei konnte er zwei Aufstiege realisieren.

- 2007/2008 gelang ihm der Aufstieg von der 2. in die 1. Stärkeklasse der 3. Liga.

- 2008/2009 dann gleich die Überraschung: Hodgson schafft den Durchmarsch in die 2. Liga.

Die erste Vorrunde beendete er mit 13 Punkten auf dem 8. Rang. (lsg)

Kurt Baumann ist Kandidat


lsg. Der FC Büren formte diese Woche eine Arbeitsgruppe, die sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Marlon Hodgson machen soll.


Ein Name, erzählt Reto Rüttimann, der auch beim FC Büren intern immer wieder genannt werde, sei Kurt Baumann. Baumann trainierte schon den FC Biel, war zuletzt Trainer der 1.-Liga-Mannschaft des FC Grenchen, bei dem er immer noch im Juniorenbereich tätig ist. «Wir haben Herrn Baumann nicht kontaktiert», lässt sich Büren-Präsident Käser alle Wege offen. Dass Baumann ein Wunschkandidat ist, mag er jedoch nicht dementieren. Dass noch kein Kontakt stattfand, wird auch von Baumann bestätigt. «Das Gerücht hält sich hartnäckig, ich werde immer wieder von Leuten angesprochen, dass ich doch nun Trainer beim FC Büren sei», lachte Baumann gestern am Telefon. Kontakt mit dem Verein habe er aber noch keinen gehabt. Trotzdem sendet er bereits ein Signal Richtung Büren: «Ich habe immer gesagt, dass ich, wenn ein interessantes Angebot kommt, nicht abgeneigt bin.» Interessant sei ein Angebot für ihn, wenn der zeitliche Aufwand für ihn machbar sei. Baumann wohnt in Lengnau, von wo aus Büren schnell erreichbar ist. «Wenn einmal eine vernünftige Geschichte kommt, mach ich das auch», sagte Baumann weiter. Zum FC Büren könne er aber nicht mehr sagen.


Käser sagt zum Thema Baumann nur soviel: «Wir müssen alle Möglichkeiten auch finanziell prüfen.»


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen