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Wie Corona ungeahnte Energieschübe freilegen kann

28. Januar 2021


Nun dauert die nerventötende und beziehungskillende Pandemie schon eine gefühlte Ewigkeit und rettendes Ufer ist weit und breit keines auszumachen.


Kollegen treffen, bei einem feinen Essen über Gott und die Welt diskutieren, nach dem Match oder Training "zäme eis näh", und, und, und. Die Liste der Aktivitäten, die das Leben so lebenswert machen, lässt sich endlos erweitern. Plötzlich ist alles Makulatur, abgewürgt, auf Zeit vernichtet.


Der Keller und der Estrich sind entrümpelt, die Schränke und Schubladen glänzen durch Ordnung und Struktur, die Fotos digital und analog sind bis zur Geburt sortiert und in der Garage hat plötzlich wieder ein Wagen Platz. Wahnsinn, alles erledigt! Was nun?


Ich habe nicht lange grübeln müssen. Ein längst geplantes Projekt muss, wenn nicht jetzt wann dann, angepackt werden – das Archiv FC Büren an der Aare!


Marco Kocher, unser Infrastruktur-Chef, hat mir die Ordner ab Gründung 1938 bis zum heutigen Tag ausgehändigt. Jetzt heisst es "Arschbacke zsämmechlemme" und durch. Alles was von Belang ist muss durch den Scanner, "ghoue oder gschtoche"! Die Jahre 1938 bis Mai 1944 sind in einem Ringheft A5 abgelegt, ab Juni 1944 bis November 1954 und ab Januar 1955 bis Juli 1961 sind sämtliche Protokolle in zwei gebundenen Büchern (ein Werk von Hanspeter Bollin) verfügbar. Aussagen, teils pointiert und direkt und teils detailverliebt und humorvoll, nüchtern und sachlich, oder leidenschaftlich und voller Hingabe für den Verein. Der Kampf gegen die Tasten der Schreibmaschine und den Rand des eingespannten Blattes ist für Ästheten ein Graus, ebenso ein Farbband, das seinen Lebensabend längst erreicht hat, aber es wird munter weiter die Tastatur malträtiert, obwohl der Blattrand am Horizont entschwunden ist. Herrlich authentisch, aber "cheibe" mühsam zum Einscannen.


Unter der teils unsachgemässen Aufbewahrung haben die Akten erstaunlicherweise kaum gelitten, der leicht modrige oder miefe Geruch "dr tüpisch Aktegruch, ds Auter äbe", gehört dazu. Der Ordner und die gebundenen Bücher beinhalten die Protokolle der ordentlichen und ausserordentlichen Generalversammlungen, der Vorstandssitzungen und der Klubversammlungen. Nach 1961 geben die Inhalte von Ordnern über das Geschehen der Folgejahre mal mehr, mal weniger Informationen für den pingeligen Wühler in der Vergangenheit preis. Aber der Fluch beim Wühlen ist die digitale Zeit. Daten auf dem PC, na ja, da sind sie sicher wohlbehalten aufgeboben. Was ist aber nach der Amtszeit? Werden die Daten im Interesse des Vereins weitergeleitet, damit sie in die Analen des Vereins integriert werden? Heikle Frage, da hat der Spruch "Aus den Augen aus dem Sinn" seine Daseinsberechtigung, Ausnahmen im kleineren Rahmen ausgenommen. Lücken in der Chronologie sind daher ärgerlich aber eben aus diesen Gründen verzeihbar. Im Grossen und Ganzen sind wir mit der Vergangenheitsbewältigung in Sachen Akten auf gutem Wege.


Ich habe während dem Einscannen den Inhalt der einzelnen Seiten überflogen und Ausschau nach wichtigen Daten, Aussagen oder Vorkommnissen gehalten. Diese Informationen habe ich in eine Exceldatei übertragen, welche nach getaner Arbeit und intensiverer Studie verfeinert wird und als Basis für ein Gesamtwerk dient.


Per heute sind rund 3'200 Seiten eingescannt, mit einem für die Suche sinnvollen Namen versehen und vorerst auf meiner Kiste abgelegt. Nach und nach bringe ich dann einzelne Texte, und da hat es einige "köschtlechi Müschterli" dabei, unter die Leute (Homepage, Matchprogramm, etc.).


Jetzt haben wir uns nur mit dem Text befasst. Viel aussagekräftiger und emotional wirkungsvoller sind aber Bilder und natürlich Filme. Da haben einige Ehemalige (Hans Moning, Christian und Thomas Lauper, Kurt Sutter, René Saisselin, Sepp Eigenmann, Fredy Stotzer, Markus "Mani" Stotzer) dafür gesorgt, dass die schönen Erlebnisse aus der Vergangenheit lebendig bleiben. Jetzt wirst du dich fragen, "ja wo schlummern diese Prachtstücke und kriegt man diese irgendwann zu sehen?" Keine Panik, es ist alles aufgegleist.


Folgende Filme und Dias sind beim Digitalisieren:

  1. Film 16mm FCB - FC Bévilard Aufstiegsspiel, Training, Juniorenausflug

  2. Film 16mm Grümpelturnier Büren und Dietikon

  3. Film 16mm FC Büren (mehr ist nicht bekannt)

  4. Film 8mm FCB und Reise nach Elzach der Senioren Teil 1

  5. Film 8mm FCB und Reise nach Elzach der Senioren Teil 2

  6. 2 Schachteln Dias (ca. 170 Stk.)

Die Filme sind beim Lichtspiel / Kinemathek Bern, Sandrainstrasse 3 in Bern zum hochauflösenden Digitalisieren (lichtspiel.ch). Für Filmfreaks ein Geheimtipp. Unter dem Motto Geschichte und Bedeutung des Lichtspiels "Schätze bergen und Filme auf die Leinwand zurückholen", türmen sich im obersten Stock der altehrwürdigen Liegenschaft Filmrolle über Filmrolle, Gerätschaften zur Projektion und Bearbeitung von Filmen, Poster, Literatur und Werbematerial. Lichtspiel ist ein Verein und wird von unzähligen ehrenamtlichen Personen betrieben. Ich war schwer beeindruckt und habe die Fülle an Schätzen kaum überblicken können. Definitiv ein Besuch wert.



Die Dias werden durch die Firma Schöni Imaging am Friedhofweg 4 in Jegenstorf bearbeitet. Für Dias/Fotos hochauflösend digitalisiert die erste Wahl und die Firma in der Schweiz für Zubehör Film und Foto (analog) inklusive Fotozubehör, Entwickler, Filme, Papier, usw. Kurz gesagt alles was das Herz begehrt. Merci Emanuel Stotzer für die Tipps.

Fotos, Zeitungsartikel und Dokumente habe ich im Verlaufe der letzten Jahre "zämegschnurret", eingescannt und unverzüglich dem Besitzer wieder ausgehändigt. Für diese Geste allen Beteiligten einen herzlichen Dank. Ich bin aber überzeugt, dass noch einige Schätze in Schubladen und Estrichen irgendwo in und um Büren schlummern.


Motivieren wir uns gegenseitig und aktivieren das Wühlmausgen unter dem Motto "Gringsvoraa i d'Vergangeheit". Auf das Ergebnis sind wir alle gespannt.


Zum Abschluss noch "es chlyses Müschterli" von der Vorstandssitzung vom 1. September 1950.


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